Das neue Deutschland

hat seinen künstlerisch

entschiedensten Aus-

druck in den Werten der

Architektur und Plastik ge-

funden. In ihnen spiegelt

sich der Lebenswille einer

Generation von Kämpfern.

Arne Breker ist der erste

Repräsentant dieser neuen

Bildhauergeneration, die

den Formengehalt der grie-

chischen Klassik zu zeitent-

sprechendem Leben erweckt.

Seit er für das Olympia-

stadion in Berlin die großen

Plastiken des “Zehnkämp-

fers“ und der „Siegerin”

geschaffen hatte, Standbil-

der, in denen das Ideal-

bild des sportlich gestählten,

energiegeladenen Körpers

verwirklicht wurde, verlief

seine Entwicklung in stän-

dig bewußterer Linie

bis zu den macht- und kraft-

vollen Körpern, die — als

Schmuck großer öffentlicher

Gebäude, als Steigerung

und Ergänzung der Archi-

tektur gedacht — heute für

den Namen Breker eindeu-

tiges Zeugnis ablegen.

Der Künstler hat eine

gründliche handwerkliche

Schulung in der Steinmetz-

werkstatt seines Vaters er-

halten. Eingehende Stu-

dien in Düsseldorf und Pa-

ris, Studium der gesamten

abendländischen Plastik von

ihren Anfängen an, und

vor allem: immer wieder

genaues Porträtstudium,

sind wesentlich für seine

Entwicklung geworden. Im

Porträtstudium sieht Breker

die Grundlage aller Bild-

hauerkunst, weil sie zur in-

tensiven Beobachtung der

Natur zwingt. Denn diese

ist immer wieder der Aus-

gangspunkt seines Schaf-

fens, und er ist stolz dar-

auf, daß die mächtige Schar

seiner Männer- und Frauen-

gestalten auf im Volke

lebende Vorbilder blicken

kann. Er schafft nach dem

Modell und nicht die kleinste

Eigenheit entgeht seinem

Auge. Was aber wäre dies

alles, ohne die große Idee, die seinem Schaffen

zugrunde liegt, die Idee des kämpferischen, an

Leibesgestalt imponierenden, Menschen? Im

Körper, im Ausdruck, spiegelt sich der Charakter,

Seele und Geist. Der Geist dieser Männer und

Frauen aus Brekerschem Geiste spiegelt sich aber

auch in den Namen, die er den Plastiken ver-

leiht: Die Bereitschaft, Der Künder, Der Wäger,

Der Wager. Partei und Wehrmacht (für den

Innenhof der Neuen Reichskanzlei), Der Wäch-

ter, Der Rächer, das mächtige Relief der „Kame-

radschaft“, das ist eine Auswahl aus seinen

Werken. Es wird manchen wundernehmen zu

hören, daß er daneben auch Plastiken wie Die

Anmut (ein Mädchenbild in selbstbewußter

Schönheit und edler Linienführung) überzeugend

zu gestalten wußte. Außerdem sprechen die Por-

trätbüsten großer Männer (besonders die Richard

Wagners) für seine auf starten Ausdruck ge-

richtete Darstellungskunst.

Fast alles, was Breker schafft, schafft er in

großen Formaten. Die Entwürfe werden zunächst

klein angefertigt, dann in der Größe ständig ge-

steigert, so daß sie schließlich fünf, ja zehn Meter

hoch schon im Atelier stehen. Dieses vom Staat

eigens für ihn errichtete Haus in der Nähe von

Berlin hat modernste, zur Schaffung solcher

Monumentalwerke nötige Einrichtungen, und

Breker, der natürlich über einen Stab von Ge-

hilfen verfügt, überwacht die Verwirklichung

seiner Ideen, die beim Uebertragen ins Groß-

format leicht Schaden nehmen könnten, mit

eigener Hand. Seine Werke sind ohne Kompro-

miß wie der Wille, der das neue Deutschland

beseelt, und sie würden auch demjenigen, der

nichts von der Wehrhaftigkeit, dem sozialen und

politischen Willen des Reiches wüßte, ein leben-

diges Abbild unserer gegenwärtigen Zeit ver-

mitteln — auf dem Weg über das Künstlerische.

Edith Maria Ruß