Im Pulverturm, Am Schlosswall, 26122 Oldenburg
Öffnungszeiten:
Freitag 14-18 Uhr
Samstag & Sonntag 11-18 Uhr
Eintritt frei!
Das Haus für Medienkunst Oldenburg präsentiert in den historischen Räumen des Pulverturms eine Soloausstellung der dänisch-südkoreanischen Künstlerin Jane Jin Kaisen – eine ortsspezifische Installation aus drei poetischen, immersiven Videoarbeiten, die auf ausführlichen historischen Recherchen beruhen. Neben Offering (2023) und Wreckage (2024) ist eine dritte, neu produzierte Arbeit zu sehen, die auf die Architektur des Pulverturms reagiert.
Kaisen ist eine Nachfahrin von Haenyeo (Seefrauen)-Taucherinnen der Insel Jeju, die berühmt sind für ihre Fähigkeit, ohne Ausrüstung lange in großer Tiefe zu tauchen. Kaisen hat aus dem Blickwinkel von Koreas kolonialer Vergangenheit über 15 Jahre zur Geschichte der Haenyeo geforscht. Darin wird das Meer zur Bedrohung, aber auch zu einem Versprechen; es ist ein Archiv von Erinnerungen und ein Gefäß für matrilineares Wissen. Die Künstlerin arbeitete mit einer Gruppe von Apnoe-Taucherinnen zusammen, die sich für den Umweltschutz engagieren; gemeinsam mit ihnen entwickelte Kaisen eine Unterwasser-Choreografie, die auf schamanischen Mythen des Meeres beruht. Dabei kommen auch Sochang zum Einsatz; diese langen, weißen Tücher spielen als Symbol für den Kreislauf von menschlichem Leben und Tod eine zentrale Rolle in koreanischen Initiationsriten. Die in Zeitlupe laufenden Arbeiten stellen den Ozean als Gefäß und Medium des Wissens und matrilinearer Verbindungen dar, aber auch als einen Ort des Exils und des Todes.
„Wir befinden uns unter Wasser“, schreibt die Soziologin Avery F. Gordon über Kaisens Arbeit, „und zugleich sind wir in der Unterwelt. Ich wurde herbeigerufen. Der Grund liegt in dem Schwellenbereich, wo die Tiefe des Wassers und die Oberfläche des Wassers an seinem vertikalen Rand aufeinandertreffen.“ – Avery F. Gordon, „Descending upon the Wreckage“, in: Jane Jin Kaisen, Island Beyond the Sea (Mousse Publishing, in Vorbereitung).
Die Installation ist durchzogen von Einteilungen und Schwellen – in Bereiche über und unter Wasser, aber auch im Hinblick auf Geschichte und Politik. Die Struktur der Videoarbeit Wreckage verbindet zwei miteinander zusammenhängende Erzählungen: Die eine wird durch filmisches Archivmaterial vom Oktober 1945 erzählt, das in Zeitlupe zeigt, wie Soldaten auf Befehl der US-Armee japanische Waffen ins Meer werfen; die andere ist das Trauerlied einer Mutter, das an den grausamen Tod ihres Sohnes erinnert. Durch das Jeju-Massaker, das 1947–48 während der US-amerikanischen Besatzung begann, starben unzählige Menschen, deren Leichen ins Meer geworfen wurden. Wreckage vermittelt diese Tragödie durch ein Klagelied, gesungenen von der inzwischen verstorbenen Schamanin Koh Sunahn, einer Überlebenden des Massakers, deren Leben Kaisen ein Jahrzehnt lang dokumentierte; ihre Stimme wechselt zwischen der Mutter und dem ertrunkenen Sohn.
In Offering erscheinen würdevolle weibliche Gestalten mit Opfergaben, die auf schamanische Rituale anspielen; sie laden die Betrachtenden ein, die Szenen im Kontext von Spiritualität und Trauer zu deuten.
Die Ausstellung nutzt beide Ebenen des Pulverturms. Sie präsentiert zwei Arbeiten unter der Kuppel des Dachgeschosses und eine Projektion auf dem Boden des unteren Stockwerks, die durch eine kreisförmige Öffnung zu sehen ist – eine vertikale Sichtachse, die beide Welten miteinander verbindet. Die Klanglandschaften der beiden Videos verbinden sich in der einzigartigen, kuppelförmigen Architektur des Pulverturms und erzeugen eine besondere Atmosphäre. Sie erlaubt es dem Publikum, ebenso in die Unterwasserwelt einzutauchen, die in den Arbeiten zu sehen ist, wie auch in die Architektur des Ausstellungsorts.
*Jane Jin Kaisens (* 1980 auf Jeju Island, Korea, lebt in Dänemark) poetisches, polyphones und feministisches Werk umfasst Videos, Filme, Fotografien, Performances und Texte; es erforscht Erinnerungen, Migration, Grenzen und den Raum, in dem gelebte Erfahrung und politische Geschichte aufeinandertreffen. Kaisen vertrat Südkorea auf der 58. Venedig-Biennale, und ihre Arbeiten wurden in einem breiten Spektrum von Kontexten weltweit ausgestellt. Sie war von 2020 bis 2026 Professorin für Medienkunst an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen. – janejinkaisen.com


