Siegeskunde in Oldenburg
Die Einnahme von Paris in unserer Heimat erlebt
Als gestern in den frühen Morgenstunden
der großartige Abschlußbericht über den Feld-
zug in Norwegen veröffentlicht wurde, lief bei
den „Nachrichten“ in Schriftleitung und Setzer-
saal der Betrieb auf höchsten Touren, um auch
ja noch alle Einzelheiten über den Verlauf der
militärischen Operationen sowie den Aufruf
des Führers an seine Norwegenkämpfer mit-
zubekommen. Wir ahnten noch nicht, daß uns
dieser Tag die Meldung von dem bisher stolze-
sten Ereignis des gegenwärtigen Ringens be-
scheren sollte. Freilich, es lag was in der
Luft! Nach dem Heeresbericht vom 12. Juni,
der den Vorstoß unserer Truppen bis 20 Km.
vor Paris meldete, konnte es nur noch eine
Frage von Tagen sein bis zur Einnahme der
französischen Hauptstadt, oder, wenn ihre
Machthaber auf dem nutzlosen, ihnen von
London diktierten Widerstand bestehen sollten,
bis zur Niederzwingung mit der Gewalt der
Waffen.
Seit morgens 8 Uhr häufen sich bei uns die
telephonischen Anfragen. Von den Ministerien
und Büros, aus den Geschäften und von pri-
vater Seite, immer ist es die gleiche Frage,
auf die die Anrufenden sich bei uns, ihrer
Zeitung, mit Recht am ehesten die Antwort
erhoffen. „Ist Paris gefallen?“ — „Ist es
wahr, daß unsere Truppen bereits einmar-
schieren?“ Jedem wird die gleiche Antwort, daß
eine bestätigende Meldung noch nicht vorliege.
Es ist kaum glaublich, mit welcher Geschwindig-
keit das Gerücht an Boden gewinnt. Und im-
mer noch kommen neue Anrufe, führen wir end-
lose Dringend-Presse-Gespräche nach Berlin.
Uns packt die fieberhafte Spannung der Er-
wartung. Da endlich — es ist eben 12 Uhr —
ertönt aus unserem Sprechfunk die Stimme des
Ansagers: „Sie hören eine Sondermeldung“
und Schlag auf Schlag folgen nun die wenigen
markanten Sätze, die diesen Tag zu einem Tag
des unbändigen Stolzes und der stolzesten
Freude machen sollen. Paris ist gefallen. Der
Feind des Reiches ist an seiner verwundbarsten
Stelle getroffen. Das deutsche Schwert schlug
zu und traf mitten in Frankreichs Herz.
Wenige Minuten später verkünden es die
Ertrablätter auf der Straße, bleiben die
Menschen stehen vor den Aushängelästen und
sehen nun Schwarz auf Weiß das mit Sicher-
heit Erwartete, das dennoch, da es nun Er-
eignis geworden, mit aller Gewalt und Wucht
eines großartigen Ereignisses auf die Gemüter
einwirkt. Ueber Frankreichs Hauptstadt weht
das Hakenreuzbanner und die Reichstriegs-
Flagge, Symbole von Deutschlands Macht und
Größe. Deutsche Soldaten haben das Buch der
Geschichte um ein neues unvergängliches
Ruhmesblatt bereichert, sie haben eine Tat voll-
bracht, von der noch Kinder und Kindeskinder
Künder sein werden. Ueberwältigend scheint
uns die Größe dieser Stunde, die uns die
Führung Adotf Hitlers bereitet hat. Die Span-
nung der vorangegangenen Stunden löst sich
in einem einzigen Dank an ihn und an unsere
prächtigen Soldaten. Ihr Siegeswille und
ihre Tapferkeit, ihre Hingabe und Treue finden
in dieser Stunde, da sie als Sieger in Paris
einmarschieren, ihren schönsten Lohn. Auf ihren
Fahnen steht der Sieg. Sie marschieren weiter
und kämpfen weiter. Wir tragen die Gewiß-
heit ihres Sieges als heiliges Gefüht in
unserem Herzen.
Jetzt bringt auch der Rundfunk die Sonder-
meldung. Üeberall sitzen die Menschen um den
Lautsprecher geschart, aus dem in der Stimme
des Ansagers die ganze Erregung der Stunde
mitschwingt. Und dann erklingen die nationaten
Lieder, Soldatenlieder, Marschmusik, der
Pariser Einzugsmarsch. Jetzt singt ein Sol-
datenchor das Lied, das wie kein anderes unser
aller Erleben in Worte faßt; aus rauhen
Kehlen tönt es: „O Deutschland hoch in
Ehren…“ — Das sangen einst die Soldaten
des Großen Krieges, wie es heute unsere So-
daten singen. Das bedeutet Gelöbnis und Ver-
mächtnis, das ist Wille und Tat, das sei uns
Leitwort für eine glückliche Zukunft.
er
Oldenburger Nachrichten, 15.6.1940