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Stipendien der Stiftung Niedersachsen am Haus für Medienkunst Oldenburg
Jurystatement 2026
Wir möchten allen Künstlerinnen und Künstlern für ihre Bewerbung danken und den damit einhergehenden Aufwand würdigen. Insgesamt gingen 359 Bewerbungen ein, die ein sehr hohes Maß an Professionalität aufwiesen.
Viele der eingereichten Bewerbungen versuchten, auf eine Welt zu reagieren, die sowohl von vergangenen als auch gegenwärtigen Konflikten geprägt ist und gleichzeitig zunehmend durch künstliche Intelligenz und algorithmische Kräfte gefiltert wird, die unsere Wahrnehmung von Gesellschaft und Umwelt umgestalten. Die Auseinandersetzung mit autobiografischen, lokalen und ortsbezogenen Geschichten im Rahmen langfristiger, forschungsorientierter Ansätze war ebenfalls ein roter Faden in den eingereichten Arbeiten.
Die von der Jury ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten sind:
Basir Mahmood
Basir Mahmood ist ein Künstler, der zwischen Lahore und Amsterdam lebt und mit Video, Film und Fotografie arbeitet.
Basir Mahmood setzt sich mit den Hinterlassenschaften der Geschichten auseinander, die nach dem Niedergang der „Lollywood“-Filmindustrie in Lahore, Pakistan, zurückgeblieben sind. Er wird eine Mehrkanal-Installation entwickeln, in deren Mittelpunkt Filmkostüme stehen, die vom Designer Abbas Dress Master entworfen wurden, der über 45 Jahre lang in dieser Branche tätig war. Diese Kostüme – einst getragen von Helden, Schurken, Liebenden, Statisten und Nebendarstellern – tragen die physische Erinnerung an Figuren, Geschichten und Arbeit in sich, die durch Jahrzehnte des Filmemachens geprägt wurden. Die Multimedia-Installation betrachtet die Kostüme als aktive Akteure des Werks und bildet die Grundlage für einen kollaborativen Schreibprozess mit Lollywood-Drehbuchautoren.
Mahmood schreibt dazu: „Das Projekt hinterfragt, ob Lollywood durch seine eigene Ästhetik, seine Arbeitsstrukturen und Erzählweisen sein Ende nicht als Verschwinden, sondern als Transformation artikulieren kann, die die sich wandelnden sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen der Gegenwart widerspiegelt.“
Die Jury war beeindruckt von der Fokussierung auf spezifische Ausschnitte der Kulturgeschichte innerhalb der Filmindustrie in Lahore; im weiteren Sinne thematisiert das Projekt das Erbe vernachlässigter Räume kultureller Produktion und der dort geleisteten Arbeit, die als Ausgangsmaterial für Sozialgeschichten neu interpretiert werden.
Syaura Qotrunadha
Syaura Qotrunadha ist eine Künstlerin aus Indonesien, die mit historischen und digitalen Archiven in verschiedenen Medien arbeitet.
Qotrunadhas Projekt ist eine ausstellungsbezogene Weiterentwicklung einer Reihe von Videoarbeiten, die sich mit dem indonesischen Bildungssystem und gesellschaftlichen Überzeugungen auseinandersetzen, die durch die Kolonialgeschichte, Landenteignungen und Zukunftsvisionen geprägt sind. Jedes Video erzählt eine Geschichte des Widerstands gegen den Kolonialismus und der anhaltenden Komplexität der postkolonialen Situation. Dieses ambitionierte Projekt, das natürliche Elemente und Generationen übergreifend denkt, lässt lokales und traditionelles Wissen in die Neugestaltung der Zukunft einfließen.
Laut der Künstlerin „versucht dieses Projekt, die Geschichte neu zu beleuchten und untersucht, wie postkoloniale Nationen zeitgenössische Wissenschaft und Technologie anders nutzen können“.
Die abschließende Präsentation wird als aufwendige Videocollage mit Elementen einer skulpturalen Installation entwickelt, die auf eine Erforschung zukünftiger Mensch-Technologie-Beziehungen reagiert.
Romana Schmalisch & Robert Schlicht
Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit des in Berlin lebenden Künstlerduos Romana Schmalisch & Robert Schlicht, die an der Schnittstelle von Film und Theorie untersuchen, wie historische Prozesse und gesellschaftliche Strukturen im Film dargestellt werden können.
Anhand des historischen Briefwechsels zwischen studentischen kommunistischen Gruppen in Albanien und Westdeutschland in den 1970er Jahren beleuchtet das Projekt, wie Gesellschaft und soziale Ideale aus der Distanz imaginär konstruiert und dargestellt werden.
Die geplante Dreikanal-Filminstallation kombiniert Dokumentarmaterial aus dem Filmarchiv von Tirana und Amateuraufnahmen von Touristenbesuchen im sozialistischen Albanien der 1970er und 80er Jahre sowie Aufnahmen der Villa und ehemaligen Residenz des albanischen Staatschefs Enver Hoxha, die bis vor kurzem für die Öffentlichkeit gesperrt war und seit dem Fall des kommunistischen Regimes ungenutzt blieb. Heute ist die Villa Standort einer Künstlerresidenz und von Hochhäusern und anderen städtischen Bauprojekten umgeben; sie steht damit als Symbol für sozialen und ideologischen Wandel. Die Arbeit reflektiert die Herausforderungen bei der Bildkonstruktion und Darstellbarkeit sozialer Transformationen.
Jury 2026
Hajra Haider Karrar
Matt Packer
Edit Molnár
Marcel Schwierin
Bewerbungen für die Stipendien 2027 werden ab Dezember 2026 bis Februar 2027 möglich sein. Wenn Sie über den Beginn der Ausschreibung informiert werden wollen, können Sie hier unseren Newsletter abonnieren.
DIE STIPENDIEN DER STIFTUNG NIEDERSACHSEN
Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Haus für Medienkunst Oldenburg drei Stipendien zur Förderung einer künstlerischen Arbeit im Bereich der Medienkunst (je €12.500).
Das Stipendium der Stiftung Niedersachsen am Haus für Medienkunst Oldenburg fördert ein breites Spektrum der Medienkunst, von Videokunst und netzbasierten Projekten bis hin zu Klang- oder audiovisuellen Installationen. Das Stipendium wird für die Produktion eines neuen Projekts im Bereich der Medienkunst vergeben.
Eine internationale Jury entscheidet über die Vergabe der Stipendien.
