Im Rahmen der Entnazifizierung und demokratischen Umerziehung in der von den USA besetzten Bundesrepublik Deutschland (1945–1952) nutzten Militärbeamte Umfragen und Studien, um die besetzte Bevölkerung zu verstehen und zu beeinflussen. In den Archiven der OMGUS (Office of Military Government, United States) in München finden sich psychologische Umfragen des US-Militärs, mit denen die demokratischen Tendenzen und die psychologische Einstellung der Deutschen, die bis vor kurzem unter dem Nationalsozialismus gelebt hatten, erfasst werden sollten. Aus heutiger Sicht entsprechen viele der Informationen in diesen Umfragen den aktuellen politischen Debatten im heutigen Deutschland über den Aufstieg der extremen Rechten, Militarisierung, Krieg, antidemokratische Tendenzen der Jugend und die Zukunft Deutschlands. In seiner neuen Videoarbeit verwandelt Gal eine Auswahl dieser Studien in Gesprächsformen und verpackt das Archivmaterial in die zeitgenössischen Genres Video-Podcast und TikTok-Selfie-Videos. Im Anschluss an die Vorführung findet ein Gespräch mit Dani Gal über die Entstehung des Videos und das Zusammenspiel zwischen Archivmaterial und der heutigen Realität in Deutschland und darüber hinaus statt.
45min, 2025
Drehbuch und Regie: Dani Gal
Kamera: Itay Marom
Mit: Lara Babalola und Daniel Stern
Produktion: Heiner Schirmmacher
Unterstützt von: Hans Purmann Stiftung
Dani Gal (*1975 in Jeruslaem) ist ein in Berlin lebender Künstler und Filmemacher, dessen Arbeiten sich mit Erinnerung, Geschichte und den Mechanismen politischer Macht befassen. In Filmen, Installationen und Texten untersucht er, wie historische Narrative entstehen und manipuliert werden. Seine Werke bewegen sich zwischen Dokumentation und Fiktion und hinterfragen die Zuverlässigkeit von Archiven, Zeugenaussagen und kollektiver Erinnerung. Seine Filme und Werke wurden vielfach gezeigt, unter anderem auf der 54. Biennale von Venedig (2011), der Istanbul Biennale (2011), im New Museum New York (2012), in der Kunsthalle St. Gallen Schweiz (2013), Jüdisches Museum New York (2014), Berlinale Forum Expanded (2014), Kunsthaus Zürich (2015), Kunsthalle Wien (2015), Documenta 14 (2017), Centre Pompidou (2018).
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Der Film ist untertitelt, die Diskussion wird ins Deutsche übersetzt.