Szonja Koltays Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen persönlicher und kollektiver Erfahrung. Verletzlichkeit und Aggression sind zentrale Themen in ihren Erzählungen, oft begleitet von Absurdität und Verspieltheit – Elemente, die auch den Prozess der Bewältigung dieser Erfahrungen prägen. Sie untersucht die schwer zugänglichen Schichten gelebter Erfahrung und konzentriert sich dabei auf den intimen Bereich: was innerhalb von vier Wänden geschieht oder manchmal, ganz wörtlich, innerhalb der Wand selbst – wie in ihrem öffentlichen Projekt Unwalling the wife of Kelemen the Mason.
Die Installation Teherletétel (Lasten abwerfen) lädt uns ein, an einem gemeinsamen Akt der Befreiung teilzunehmen, einer symbolischen Beerdigung der Trauer. „Leg es ab, Mama, leg es ab – leg deine Trauer ab!“ Auch wenn unsere Großmütter einst Berge auf dem Rücken trugen: Bevor wir unter derselben Last zusammenbrechen, lassen wir unsere Trauer ruhen. Die für dieses Ritual geschaffenen Objekte sind von der unfassbaren Schwere unserer Lasten geprägt. Das Werkensemble ruft zum kollektiven Handeln auf und zielt darauf ab, Erleichterung und Leichtigkeit zu bringen: Der Lastenteilungswagen, der „Leg es hierhin“-Teppich, das mit Trauer gefüllte Fass und die „Trag es nicht“-Stange ermutigen uns alle, unsere Lasten nicht über die Grenze hinaus zu schieben.
Das Werk ist im Wesentlichen ein Trauerfriedhof – ein symbolischer Ort, der sowohl den Anfang als auch das Ende einer gemeinsamen Reise des Abladens markiert. Es ist ein Raum, in dem wir durch die Gemeinschaft und in ihr die erdrückenden Lasten loslassen können, die auf uns lasten. Dieser stille Akt des „Lastentragens“ ist eine kollektive weibliche Erfahrung, und doch brechen Rücken oft unter der Last des einsamen Kampfes. Wir haben die Verantwortung, uns gegenseitig dabei zu unterstützen, unsere Lasten abzulegen, und dafür zu sorgen, dass Trauer uns nicht zum Schweigen bringt. Selbst den dunkelsten Erfahrungen muss eine Stimme gegeben werden – wir müssen stets eine Sprache, einen Raum und einen Kontext schaffen, die die Belasteten zurück in die Gemeinschaft führen können.
Szonja Dorottya Koltay (*1996 in Budapest) ist bildende Künstlerin. Ihre Arbeit zeichnet sich durch einen interdisziplinären Ansatz in einer Vielzahl unterschiedlicher Medien aus. Durch ihre Projekte schafft sie Möglichkeiten für kollektives Spiel. Mit performativen Übungen versucht sie, uns zu friedlicher Mobilisierung zu ermutigen und unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Sie engagiert sich für die Entwicklung partizipativer Prozesse mit dem Ziel, kreative Fähigkeiten so weit wie möglich zugänglich und erreichbar zu machen. Sie schafft sowohl öffentliche Kunstinstallationen als auch Projekte, die auf intime Räume zugeschnitten sind, fragile Erfahrungen erforschen oder mit marginalisierten Gruppen zusammenarbeiten. Sie erkundet die schwer zugänglichen Schichten privater Erzählungen. Ihr Fokus liegt auf der intimen Sphäre, auf Beziehungen; auf dem, was sich innerhalb der vier Wände oder direkt in der Wand selbst befindet. Verletzlichkeit und Aggression sind zentrale Themen in ihren Erzählungen, oft begleitet von Absurdität und Verspieltheit – Elemente, die auch den Prozess der Bewältigung dieser Erfahrungen prägen.
