Der im Testament von Edith Russ ausführlich formulierte Wunsch, sich bei der Errichtung des von ihr geförderten Ausstellungshauses an der Architektur Ludwig Mies van der Rohes zu orientieren und einen Bau zu schaffen, der durch “Einfachheit, Vornehmheit, Geist und innere Größe” besticht, bildet den Ausgangspunkt einer Reflektion über die Assoziation von Mies van der Rohes Architektur mit ethisch-moralischen und geistigen Werten, die Edith Russ im Oldenburger Ausstellungshaus verwirklicht sehen wollte. Es bleibt zu diskutieren, inwieweit die Aufladung der Mies’schen Moderne in der Nachkriegszeit als eine vermeintlich autonome, aus sich heraus widerständige Moderne zugleich eine exkulpatorische Funktion innerhalb der Gesellschaft übernahm.
Aya Soika ist Professorin für Kunstgeschichte am Bard College in Berlin. Zu den von ihr untersuchten Künstlerbiografien im Nationalsozialismus gehören die der Maler Emil Nolde, Max Pechstein, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff oder die des Bildhauers Georg Kolbe und des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Sie war Ko-Kuratorin der Ausstellungen Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus (Neue Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, 2019) und Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus (Brücke Museum Berlin, 2019). 2024 erschien in der Schriftenreihe des Mies van der Rohe Hauses Berlin ihr Buch Mies van der Rohe im Nationalsozialismus. Das Brüssel Projekt, 1934, das seinen nicht realisierten Entwurf einer riesigen Ausstellungshalle für die Weltausstellung in Brüssel 1935, beauftragt vom Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, im Kontext der Jahre nach 1933 rekonstruiert.
Die Autorin wird online zugeschaltet sein.
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.