Welcher Oldenburger kennt dies Bild?

Jan Oeltjens großes Fresko im ehemaligen Landtagsgebäude

In der Stille ist im Großen Sitzungssaal

des ehemaligen Landtagsgebäudes ein Werk

entstanden, das trotz seiner monumentalen

Größe den wenigsten Oldenburgern bekannt

sein dürfte. Es ist ein Fresko=Gemälde

des bekannten Oldenburger Kunstmalers Jan

Oeltjen (Jaderberg), der mit diesem Werk

die bisher wohl schönste Probe seiner großen

Kunst und reifen Könnerschaft gegeben hat.

Das Fresko, das die ganze Stirnwand des

großen Saales einnimmt und in der echten

alten Fresko=Technik, das heißt auf den frischen

Verputz, gemalt ist, zeigt den Oldenburger

Menschen in seinen typischsten Vertretern: den

stolzen Marschenbauer, den Pferdezüchter und

den Seefahrer, alle Kerls wie Eichen voll un-

gebrochener Kraft. Knorrig und erdhaft sind

Oeltjens Gestalten und im schönsten Sinne

bodenverwurzelt. Das gilt von dem Manne,

der den Pflug führt, genau wie von der bäuer-

lichen Familie mit der stolzen, blonden Frau

im Mittelpunkt, die ihr Jüngstes auf dem Schoß

hält, ebenso auch von den Mägden auf der

Weide, den Knechten bei den Pferden und den

Schiffern am flutenden Weserstrom. Am

unteren Rande des Wandgemäldes hat der

Künstler — gleichsam als Symbol — Vertreter

unseres neuen Menschentums aufmarschieren

lassen, Hitler=Jugend, Arbeitsdienstmänner,

Soldaten. Die ganze gewaltige Arbeit zeichnet

sich aus durch kraftvolle Linien, eine frische,

lebhafte Farbgebung, bunte Bewegtheit der

Szenen und ein fast greifbar lebendiges Leben.

Die Arbeit an diesem Fresko hat — wir wissen

es aus seinem eigenen Munde — Jan Oeltjen

Freude gemacht. Schon immer war die Fresko-

Malerei ein Tätigkeitsfeld, das ihm hohe

menschliche und künstlerische Befriedigung ver-

sprach. Seine großen Vorbilder waren die

Italiener Pierro de la Francesco und Giotto,

und immer, wenn ihn sein Weg nach dem

Süden, nach Rom und Arrezzo, führte, war

sein erster Weg zu den Fresken der italienischen

Meister. Kein Wunder, daß ihn die ihm in

seiner Heimat Oldenburg gestellte Aufgabe ganz

gefangennahm. Ein kleines Beispiel nur, das

besser als viele Worte zeigen mag, wie sehr

ihn die Arbeit packte: Bei einem Besuch in

Jaderberg führte uns seine Gattin, die

Künstlerin Elsa Oeltjen-Kasimir, lachenden

Auges in die Küche. Die sogar hatte herhalten

müssen für seine Fresko=Studien, und überall

an den Wänden sahen wir die Entwürfe zu

seinem Werk. Nun ist das Werk vollendet, und

uns bleibt nur zu wünſchen, daß es einmal

einem größeren Kreise zugänglich gemacht

würde, so daß die Antwort auf unsere oben

gestellte Frage nicht mehr lautet: Einige wenige

sondern: Wir alle kennen es.

R

Oldenburger Nachrichten für Stadt und Land, 23.11.1939